Ladungssicherung im ADR-Gefahrguttransport: Vorschriften nach 7.5.7 ADR
Zuletzt aktualisiert: · Stand: 10/2026 · Team von adr-pruefung.de
„Muss ich wirklich jede einzelne Palette festzurren, oder reicht es, wenn die letzte Reihe gesichert ist?" — diese Frage stellt sich bei der Ladungssicherung. Dieser Ratgeber erklärt die gefahrgutspezifische Pflicht nach Abschnitt 7.5.7 ADR, wie sie mit dem allgemeinen Ladungsrecht nach § 22 StVO und der Technik-Richtlinie VDI 2700 zusammenspielt, die Stapelregel nach 7.5.7.2 ADR — und was das für die Praxis auf der Ladefläche bedeutet.
Was schreibt das ADR zur Ladungssicherung vor?
Nach Unterabschnitt 7.5.7.1 ADR müssen Versandstücke mit gefährlichen Gütern durch geeignete Mittel — etwa Befestigungsgurte, Schiebewände oder verstellbare Halterungen — so gesichert werden, dass eine Bewegung während der Beförderung, die ihre Ausrichtung verändert oder zu einer Beschädigung führt, verhindert wird. Werden Gefahrgüter zusammen mit anderer Ladung (etwa schweren Maschinen oder Kisten) befördert, müssen alle Güter im Fahrzeug oder Container so gesichert oder verpackt werden, dass ein Austreten der gefährlichen Güter verhindert wird.
Das ADR lässt bei der konkreten Methode Spielraum: Bewegung von Versandstücken darf auch durch das Auffüllen von Hohlräumen mit Stauhölzern oder durch Blockieren und Verspannen verhindert werden. Werden Bänder oder Gurte verwendet, dürfen diese nicht so überspannt werden, dass Versandstücke beschädigt oder verformt werden. Für Kontrollen: Die Vorschriften des Unterabschnitts 7.5.7.1 ADR gelten als erfüllt, wenn die Ladung gemäß der Norm EN 12195-1:2010 gesichert ist — diese Norm ist damit die technische Referenz, an der sich eine ordnungsgemäße Sicherung im Zweifel messen lassen muss.
Welche drei Rechtsebenen regeln die Ladungssicherung beim Gefahrguttransport?
Ladungssicherung bei Gefahrgut ist keine einzelne Vorschrift, sondern das Zusammenspiel von drei Ebenen, die parallel gelten und sich gegenseitig ergänzen — nicht ersetzen:
| Rechtsebene | Was sie regelt | Kernaussage |
|---|---|---|
| 7.5.7 ADR | Gefahrgutspezifische Sicherung im Fahrzeug/Container | Versandstücke müssen durch geeignete Mittel gegen Lageveränderung und Beschädigung gesichert werden; als erfüllt gilt dies bei Sicherung nach EN 12195-1:2010 |
| § 22 StVO | Allgemeine Ladungssicherung für jede Ladung, unabhängig vom Inhalt | Ladung darf selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen; anerkannte Regeln der Technik sind zu beachten |
| VDI 2700 | Technische Konkretisierung der Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen | Als anerkannte Regel der Technik im Sinne des § 22 Absatz 1 Satz 2 StVO konkretisiert sie Berechnungsverfahren, Zurrkräfte und Methoden für form- und kraftschlüssige Sicherung |
Für die Praxis bedeutet das: 7.5.7 ADR beantwortet ob und wodurch gesichert werden muss (gefahrgutspezifisch), § 22 StVO beantwortet wie sicher das Ergebnis sein muss (Vollbremsungs-Maßstab, für jede Ladung), und VDI 2700 liefert das technische Handwerkszeug, um diesen Maßstab nachweisbar zu erreichen. Ein Fahrzeugführer, der nur die ADR-Grundpflicht kennt, aber die Vollbremsungs-Anforderung aus § 22 StVO oder die Berechnungslogik der VDI 2700 nicht anwendet, sichert im Zweifel nicht ausreichend.
Einzelsicherung von Paletten: wann die formschlüssige Verladung genügt
Nicht zwingend einzeln — entscheidend ist, dass die Ladung nicht verrutschen kann. Liegen Ladeeinheiten lückenlos aneinander und an Stirn- oder Seitenwänden des Fahrzeugs an, blockieren sie sich gegenseitig gegen Verrutschen nach vorne oder zur Seite (formschlüssige Verladung). Ob dann die Sicherung der letzten, nicht abgestützten Reihe ausreicht, muss im Einzelfall nachgewiesen werden, zum Beispiel nach EN 12195-1:2010, bei deren Einhaltung die Anforderungen von 7.5.7.1 ADR als erfüllt gelten. Bestehen Lücken zwischen den Ladeeinheiten oder liegt keine durchgehend formschlüssige Verladung vor, ist die Sicherung jeder betroffenen Ladeeinheit zu prüfen, damit die Pflicht aus 7.5.7.1 ADR und § 22 StVO — kein Verrutschen selbst bei Vollbremsung — erfüllt bleibt.
Dürfen Versandstücke mit Gefahrgut gestapelt werden?
Nur, wenn sie für diesen Zweck ausgelegt sind. Nach Unterabschnitt 7.5.7.2 ADR dürfen Versandstücke grundsätzlich nicht gestapelt werden — es sei denn, sie sind konstruktiv dafür vorgesehen. Werden verschiedene Arten stapelfähiger Versandstücke zusammen verladen, muss ihre gegenseitige Stapelverträglichkeit berücksichtigt werden; soweit erforderlich sind tragende Hilfsmittel einzusetzen, damit untere Versandstücke nicht durch das Gewicht der oberen beschädigt werden.
Während des Be- und Entladens gilt zusätzlich Unterabschnitt 7.5.7.3 ADR: Versandstücke mit gefährlichen Gütern müssen gegen Beschädigung geschützt werden — etwa durch die richtige Handhabungsmethode und den passenden Fahrzeug- oder Containertyp, damit Versandstücke nicht über den Boden gezogen oder unsachgemäß behandelt werden. Nach Unterabschnitt 7.5.7.4 ADR gelten die Vorschriften aus 7.5.7.1 ADR auch für das Verladen, Verstauen und Absetzen sowie das Entladen von Containern, Tankcontainern, ortsbeweglichen Tanks und MEGC auf bzw. von Fahrzeugen. Und: Mitglieder der Fahrzeugbesatzung dürfen Versandstücke mit gefährlichen Gütern nach 7.5.7.5 ADR nicht öffnen.
Wie unterscheidet sich Ladungssicherung vom Zusammenladeverbot?
Beide Vorschriften betreffen die Beladung, regeln aber unterschiedliche Fragen und müssen unabhängig voneinander erfüllt werden. Das Zusammenladeverbot nach Abschnitt 7.5.2 ADR entscheidet, welche Gefahrgutklassen überhaupt gemeinsam auf ein Fahrzeug oder in einen Container dürfen — anhand der Gefahrzettel-Tabelle bzw. der Verträglichkeitsgruppen bei Klasse 1. Die Ladungssicherung nach Abschnitt 7.5.7 ADR setzt danach an: Sie regelt, wie die zulässig zusammengeladenen Versandstücke physisch gegen Verrutschen, Umfallen und Beschädigung gesichert werden müssen. Eine Ladung kann also das Zusammenladeverbot vollständig einhalten und trotzdem mangelhaft gesichert sein — und umgekehrt.
Ergänzend zur persönlichen und fahrzeugseitigen Vorbereitung: Welche Ausrüstung — von Feuerlöschern bis Unterlegkeil — für den Transport an Bord sein muss, beschreibt der Ratgeber zur Pflichtausrüstung im ADR-Fahrzeug.
Bußgeldpraxis: Erstverladung gegen nachträgliche Veränderung während der Fahrt
Wer für eine mangelhafte Ladungssicherung haftet, hängt nach der GGVSEB davon ab, wann der Fehler passiert. § 29 GGVSEB unterscheidet dafür zwei eigenständige Pflichten mit getrennten Bußgeldtatbeständen in Anlage 7 der RSEB:
| Zeitpunkt | Wer haftet | Regelsatz | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| Beim Beladen (Erstverladung): Vorschrift über Handhabung und Verstauung nach 7.5.7.1/7.5.7.2 ADR nicht beachtet | Verlader und Fahrzeugführer, jeweils eigenständig | 500 Euro | Lfd. Nr. 252.3 RSEB Anl. 7, § 29 Abs. 1 GGVSEB |
| Während der Beförderung: wer die Ladungssicherung verändert, sorgt nicht dafür, dass 7.5.7.1/7.5.7.2 ADR weiter eingehalten werden | Wer die Sicherung tatsächlich verändert hat | 500 bis 800 Euro | Lfd. Nr. 232 RSEB Anl. 7, § 29 Abs. 5 GGVSEB |
Weitere Bußgeldbeispiele zur Haftungskette zwischen Fahrzeugführer, Beförderer, Verlader und Verpacker sammelt der Ratgeber Bußgeld im ADR: Wer haftet?
Einordnung im Basiskurs
Handhabung und Verstauung der Versandstücke sowie die Vorsichtsmaßnahmen beim Be- und Entladen gehören nach Absatz 8.2.2.3.2 Buchstaben j und m ADR zu den Themen des Basiskurses (siehe Prüfungsthemen). Zu unterscheiden sind die Grundpflicht aus 7.5.7.1 ADR (geeignete Sicherungsmittel, EN 12195-1 als Erfüllungsnachweis), das Zusammenspiel mit § 22 StVO und VDI 2700, die Stapelregel aus 7.5.7.2 ADR und die Abgrenzung zum Zusammenladeverbot nach 7.5.2 ADR.
Häufige Fragen
Was schreibt das ADR zur Ladungssicherung vor?
Nach Unterabschnitt 7.5.7.1 ADR müssen Versandstücke mit gefährlichen Gütern durch geeignete Mittel — etwa Befestigungsgurte, Schiebewände oder verstellbare Halterungen — so gesichert werden, dass eine Bewegung während der Beförderung, die ihre Ausrichtung verändert oder zu einer Beschädigung führt, verhindert wird. Als erfüllt gelten diese Vorschriften, wenn die Ladung gemäß der Norm EN 12195-1:2010 gesichert ist.
Reicht die Ladungssicherung nach ADR allein aus, oder gilt noch mehr?
Es gelten drei Ebenen parallel: Abschnitt 7.5.7 ADR als gefahrgutspezifische Pflicht, § 22 StVO als allgemeine Ladungssicherungspflicht für jede Ladung unabhängig vom Inhalt, und die VDI-Richtlinie 2700 als anerkannte Regel der Technik, die die „geeigneten Mittel" aus dem ADR technisch konkretisiert (Zurrkräfte, Reibbeiwerte, Berechnungsverfahren).
Muss jede Palette einzeln festgezurrt werden?
Nicht zwingend einzeln. Liegen Ladeeinheiten lückenlos aneinander und an Stirn- oder Seitenwänden an, blockieren sie sich gegenseitig (formschlüssige Verladung); ob dann die Sicherung der letzten, nicht abgestützten Reihe ausreicht, muss im Einzelfall nachgewiesen werden, zum Beispiel nach EN 12195-1:2010. Bestehen Lücken oder liegt keine formschlüssige Verladung vor, ist die Sicherung jeder betroffenen Ladeeinheit zu prüfen, damit die Pflicht aus 7.5.7.1 ADR und § 22 StVO erfüllt ist.
Dürfen Versandstücke mit Gefahrgut gestapelt werden?
Nur wenn sie dafür ausgelegt sind. Nach Unterabschnitt 7.5.7.2 ADR dürfen Versandstücke nicht gestapelt werden, es sei denn, sie sind für diesen Zweck konstruiert. Werden unterschiedliche stapelfähige Versandstückarten zusammen verladen, muss ihre gegenseitige Stapelverträglichkeit berücksichtigt werden; soweit nötig sind tragende Hilfsmittel einzusetzen, um untere Versandstücke vor Beschädigung zu schützen.
Worin unterscheidet sich die Ladungssicherung vom Zusammenladeverbot?
Das Zusammenladeverbot nach Abschnitt 7.5.2 ADR regelt, welche Gefahrgutklassen überhaupt gemeinsam auf ein Fahrzeug dürfen. Die Ladungssicherung nach Abschnitt 7.5.7 ADR setzt danach an: Sie regelt, wie die zulässig zusammengeladenen Versandstücke physisch gegen Verrutschen, Umfallen und Beschädigung gesichert werden müssen. Beide Vorschriften sind unabhängig voneinander zu erfüllen.
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Kostenlos registrierenRechtsgrundlagen & Quellen
- Gefahrgutshop.de — ADR 2025, Kapitel 7.5: Vorschriften für die Be- und Entladung und die Handhabung, Abschnitt 7.5.7 „Handhabung und Verstauung" (Volltext-PDF)
- § 22 StVO (gesetze-im-internet.de) — Ladung: Verstauungs- und Sicherungspflicht, anerkannte Regeln der Technik
- VDI e.V. — VDI 2700: Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen (Richtlinienreihe, als anerkannte Regel der Technik im Sinne des § 22 Absatz 1 Satz 2 StVO anerkannt)
- WEKA — Ladungssicherung beim Gefahrguttransport: rechtliche Einordnung von ADR, StVO und VDI 2700
- § 29 GGVSEB — Pflichten mehrerer Beteiligter im Straßenverkehr: Erstverladung (Absatz 1) und nachträgliche Veränderung der Ladungssicherung (Absatz 5)
- RSEB Anlage 7 (Bußgeldkatalog GGVSEB) — Regelsätze für Verstöße gegen Handhabung und Verstauung nach 7.5.7 ADR
Stand: 10/2026 · Die Angaben beruhen auf dem ADR-Übereinkommen, der StVO und der GGVSEB. Keine Rechtsberatung.